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Insolvenzvergleichsanalyse der Jahre 2009/ 2008 für die Region Trier (ehem. Regierungsbezirk Trier)
Insolvenzvergleichsanalyse der Jahre 2009/ 2008 für die Region Trier (ehem. Regierungsbezirk Trier)
Anstieg der Firmeninsolvenzen unter Bundesdurchschnit – Firmenpleiten steigen um 11,76% - regional mehr Privatinsolvenzen
Trier, 18.01.2010
Wie bereits in den Vorjahren hat Creditreform Trier die Insolvenzzahlen für die Region Trier im Bereich der Unternehmensinsolvenzen, Verbraucherinsolvenzverfahren und sonstigen Insolvenzen untersucht und mit dem Bundestrend sowie den Vorjahreszahlen verglichen.
In 2009 sind in der Region Trier die Firmeninsolvenzen gegenüber dem Vorjahr um 11,76 % angestiegen. Waren die Firmenpleiten in 2008 noch rückläufig, so haben sie auch in der Region Trier im vergangenen Jahr deutlich zugelegt. Die Region liegt damit dennoch unter dem Bundestrend, hier sind die Firmeninsolvenzen gegenüber dem Vorjahr bundesweit um 16,00 % angewachsen. Die breitgefächerte Aufstellung der Region und damit eine weniger gegebene Branchenanfälligkeit, aber auch nach wie vor die Nähe zu Luxemburg spielen keine unwesentliche Rolle dabei, dass die Region sich im Bereich der Firmeninsolvenzen gegenüber dem Bundestrend stabiler zeigt. Gegenüber 153 eröffneten Insolvenzverfahren oder Ablehnungen mangels Masse in 2008 kam es in dem vergangenen Jahr zu 171 Firmenpleiten in der Region Trier. In 2009 waren bundesweit 34.300 Firmenpleiten zu verzeichnen (29.580 in 2008).
Betrachtet man das Insolvenzgeschehen der Firmen nach Branchen, so ist festzustellen, dass im Bereich des verarbeitenden Gewerbes (wenn auch auf geringem Niveau) ein deutlicher Zuwachs in der Region zu vermelden ist. Waren in diesem Branchenbereich in 2008 nur 9 Insolvenzen zu verzeichnen, so waren es in 2009 immerhin 17.
Auch im Baugewerbe haben die Pleiten zugelegt. Gegenüber 2008 (16 Insolvenzen) ist im vergangenen Jahr (24 Insolvenzen) ein Zuwachs von 50 % zu verzeichnen.
Im Bereich Handel sind die Insolvenzen von 39 Verfahren in der Region um rund 20 % auf 31 Verfahren zurückgegangen.
Statistisch gesehen ist ein deutlicher Zuwachs von betroffenen Arbeitsplätzen im Vorjahresvergleich zu verzeichnen. Hierbei ist jedoch besonders zu berücksichtigen, dass mit dem auch überregional tätigen Gebäudereiniger Omnicura aus Trier sowie einem Spielhallenbetreiber in der Eifel Arbeitgeber mit einer erheblichen Anzahl von Teilzeitarbeitsplätzen von der Insolvenz betroffen waren. So ist statistisch gesehen die Anzahl der betroffenen Arbeitsplätze in der Region von 1.489 in 2008 auf 2.158 in 2009 angestiegen. Neben dem Gebäudeserviceunternehmen Omnicura waren die meisten von einer Insolvenz betroffenen Arbeitsplätze zu vermelden bei den Firmen Tectro in Saarburg (rund 60 Arbeitsplätze) und der Mohr Holzbaugruppe in Trier (knapp 80).
Wirft man aus der Sicht der Umsatzgrößen einen Blick auf das Insolvenzgeschehen, so ist festzuhalten, dass in 2009 in der Region ein Umsatzvolumen von insgesamt 119,72 Mio. Euro von einer Insolvenz betroffen war (2008: 155,89 Mio. Euro). Dies bedeutet einen Rückgang von gut 23 %. Nach Umsätzen betrachtet waren am stärksten die Stadt Trier und der Kreis Trier-Saarburg von Insolvenzereignissen tangiert. Dabei spielen im Bereich der Stadt Trier die Insolvenzen der Mohr Holzbaugruppe (9,77 Mio. Euro) und des Gebäudereinigers Omnicura (5,35 Mio. Euro) die wesentlichsten Rollen. Im Kreis Trier-Saarburg haben die Insolvenzen Tectro (15,50 Mio. Euro) und die beiden Pharmaunternehmen Painex und ABO in Pellingen (insgesamt 13,00 Mio. Euro) die Spitzenpositionen.
Insbesondere im Gastronomiegewerbe mussten einige bekannte Gastrobetriebe den Weg zum Insolvenzrichter antreten, wie beispielsweise das Restaurant Bagatelle in Trier (Karl Schmelzer), die Zils Brauhaus GbR in Naurath-Eifel, sowie in Trier die Produktion e.V. (im Palais Walderdorff am Dom) sowie die ARP Gastronic GmbH & Co. KG, die als ursprünglicher Betreiber der „Villa Conte“ mit großem Tamtam als Nobellokal gestartet und dann im Sturzflug geendet ist.
Aber auch einige Traditionsunternehmen in der Region blieben von einer Insolvenz in 2009 nicht verschont; so das bereits 1937 in Wittlich gegründete Bekleidungshaus Freckmann und die Mabilon Brut Saar-Sektkellerei Hausen-Mabilon KG (Gründung 1952) sowie die 1970 gegründete Arzfelder Wohnwelt.
Im Bereich der ehemals Selbstständigen ist in 2009 gegenüber dem Vorjahr (71 Insolvenzen) mit 87 Verfahren ein Zuwachs von gut 22 % zu verzeichnen. Hier ist der Trend erkennbar, dass auch immer mehr ehemals Selbstständige nach Schließung ihrer Unternehmen oder nach finanziellem Zusammenbruch selbst von der Insolvenz betroffen sind.
Ein etwas deutlicher Anstieg ist in der Region allerdings bei den Verbraucherinsolvenzverfahren zu vermelden. So ist in 2009 mit 489 Verbraucherinsolvenzen gegenüber 2008 (449 Verfahren) eine Steigerung von 8,91 % (Bundesschnitt +0,40 %) festzustellen. Deutschlandweit waren in 2009 insgesamt 98.800 Verbraucherinsolvenzverfahren zu verzeichnen (2008: 98.450). Berücksichtigt sind im Bereich der Privatinsolvenzverfahren jedoch nur die tatsächlich veröffentlichten Verfahren, also keine außergerichtlichen Schuldenregulierungsverfahren zur Insolvenz oder nachträglich gerichtlich bestätigte Regulierungsverfahren, die nicht der Veröffentlichung unterliegen.
Die meisten Privatinsolvenzen der Region entfallen mit 144 Verfahren (2008: 143 Verfahren) erneut auf den Bereich der kreisfreien Stadt Trier, gefolgt vom Kreis Trier-Saarburg mit 105 Privatinsolvenzen (2008: 84 Insolvenzen) und 92 Kreis Bitburg-Prüm. Die wenigsten Verfahren waren mit 75 im Kreis-Bernkastel-Wittlich und 73 im Kreis Vulkaneifel zu vermelden. Allerdings ist im Kreis Vulkaneifel gegenüber 2008 ein Anstieg von 35 auf 73 Verfahren, und damit um über 100 % festzustellen. Vermutet werden kann hier, dass der Kreis Vulkaneifel insoweit etwas „Nachholbedarf“ hatte, da er in den vergangenen Jahren immer die geringsten Privatinsolvenzen zu verzeichnen hatte.
Ob auf die Region weitere Folgen oder Auswirkungen der Wirtschaftskrise zukommen oder ob sich die Region aufgrund der Nähe zu Luxemburg und der breit aufgestellten Branchenvielfalt weiter stabil zeigt, darf mit Spannung erwartet werden.
Die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird in der Folge Einfluss auf die Zahl der Privatinsolvenzen haben. Insoweit ist für 2010 eine Verbesserung der Situation im Bereich der privaten Pleiten nicht unbedingt zu erwarten.
Firmeninsolvenzen 1. Halbjahr 2009 / 2008 PDF-Datei (1,7 MB)
Insolvenzen ehemaliger Selbstständiger 1. Halbjahr 2009 / 2008 PDF-Datei (472 KB)
Verbraucherinsolvenzen 1. Halbjahr 2009 / 2008 PDF-Datei (748 KB)
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